
Monday gehört dem Mond, Saturday dem Saturn: Schon diese beiden englischen Wochentage bewahren eine alte astrologische Himmelskarte. Die sieben traditionellen Planeten gaben den Tagen ihre Namen. Im Deutschen erkennen wir Sonne und Mond sofort wieder. Andere Himmelskörper verstecken sich hinter germanischen Göttern – und beim Mittwoch hat die Sprache einen ganz anderen Weg genommen.
Sonne und Mond zählten zu den sieben Planeten
Wer in der traditionellen Astrologie von sieben Planeten spricht, meint Sonne, Mond, Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn. Das alte Wort „Planet“ bezeichnete einen Wandelstern: ein Gestirn, das gegenüber den Fixsternen seinen Platz verändert. Dazu rechnete man auch die beiden großen Lichter Sonne und Mond.
Diese sieben bildeten die Besetzung des planetarischen Wochenkalenders. Jeder Tag erhielt einen himmlischen Regenten. Der Sonntag gehörte der Sonne, der Montag dem Mond. Die übrigen Tage wurden Mars, Merkur, Jupiter, Venus und Saturn zugeordnet.
Das erklärt zugleich, warum ein astrologischer Text Sonne und Mond unter den Planeten aufführt. Er verwendet eine überlieferte Ordnung, die auch in unserem Kalender ihre Spuren hinterlassen hat.
Rom verbreitete den planetarischen Wochenrhythmus
Die Römer haben den siebentägigen Rhythmus nicht allein erfunden. Die Forschung am University College London unterscheidet eine biblische und eine planetarische Tradition der Siebentagewoche. Beide gehören zur Geschichte unseres heutigen Wochenrhythmus.
Im römischen Umfeld taucht die Planetenwoche in der zweiten Hälfte des ersten Jahrhunderts vor unserer Zeitrechnung auf. Bis zum vierten Jahrhundert unserer Zeitrechnung verbreitete sich der siebentägige Rhythmus im gesamten Römischen Reich. Rom war damit ein entscheidender Vermittler.
Die planetarische Tradition benannte die Tage nach Himmelskörpern und ihren Gottheiten. Besonders gut lässt sich das heute noch im Französischen hören: mardi trägt Mars im Namen, mercredi Merkur, jeudi Jupiter und vendredi Venus. Ein gewöhnlicher Terminkalender enthält erstaunlich viel antiken Himmel.
Cassius Dio erklärt die himmlische Reihenfolge
Der römische Geschichtsschreiber Cassius Dio beschreibt im 37. Buch seiner Geschichte den Brauch, die Tage den sieben „Planeten“ zuzuweisen. Er verbindet ihre Reihenfolge mit der damaligen Anordnung der Himmelssphären.
Damit liefert er ein frühes Zeugnis für den astrologischen Aufbau der Woche. Hinter der Abfolge der Tage stand eine geordnete Vorstellung vom Himmel, in der jedes der sieben Gestirne seinen Platz hatte. Die Wochentagsnamen trugen diese Ordnung aus der gelehrten Himmelskunde in den Alltag.
Aus Mars wird Týr, aus Jupiter wird Thor
Beim Übergang in germanische Sprachen blieben die Plätze der Götter erhalten, während ihre Namen wechselten. Besonders anschaulich zeigt das die englische Woche:
- Tuesday: An die Stelle des Mars trat Týr.
- Wednesday: Merkur erhielt mit Woden, dem Namen aus der Überlieferung um Odin, einen germanischen Gegenpart.
- Thursday: Den Platz Jupiters nahm Thor ein.
- Friday: Der Venus-Tag wurde zum Tag der Frigg.
Hier wurden römische Gottheiten über germanische Entsprechungen übertragen. Deshalb klingt die englische Wochenmitte nach nordischer Götterwelt, obwohl ihre Struktur weiterhin die alte Planetenwoche erkennen lässt.
Beim Samstag blieb Englisch besonders nah an Rom: Saturday bewahrt Saturn. Sonne und Mond sind in Sunday und Monday ebenso deutlich zu hören wie in Sonntag und Montag.
Friday bewahrt Frigg, Mittwoch zählt anders
Beim Freitag lohnt sich Genauigkeit. Das altenglische Frig-dæg ist als Bezeichnung für den Freitag belegt. Das Wörterbuch von Bosworth und Toller erklärt es als Tag der Frigg und stellt es zum lateinischen Venus-Tag, dies Veneris. Frigg und Freya einfach gleichzusetzen, verwischt die Unterschiede der Überlieferung.
Das Deutsche zeigt außerdem, wie verschieden Sprachen mit demselben Wochenrhythmus umgehen. Wo Englisch in Wednesday Woden bewahrt, sagt Deutsch schlicht Mittwoch, also Mitte der Woche. Wer einen deutschen und einen englischen Kalender nebeneinanderlegt, entdeckt deshalb zweierlei: die erstaunliche Ausdauer alter Planetennamen und die Stellen, an denen eine Sprache ihre Götter aus dem Kalender verabschiedet hat.