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Merkur, Venus und Mars: Wie alte Astrologen Berufe deuteten

Merkur beschreibt bei William Lilly den Verstand, Venus die Neigung und Mars das körperliche Durchhaltevermögen – eine Berufstrias, die bereits Rhetorius beschäftigte.

Redaktionelle Illustration eines aufgeschlagenen alten Buches mit den Symbolen für Merkur, Venus und Mars sowie Feder, Pinsel und Hammer im warmen Kerzenlicht.

William Lilly verband Merkur mit geistigen Fähigkeiten, Venus mit persönlicher Neigung und Mars mit körperlichem Durchhaltevermögen. Wer verstehen will, wie er berufliche Fähigkeiten im Horoskop deutete, hat damit drei klare Ansatzpunkte: denken, etwas gern tun und die Kraft aufbringen, es auszuführen. Entscheidend wurde anschließend, wie diese Planeten standen und miteinander verbunden waren.

Drei Planeten teilen sich die Arbeit

Merkur erfasst, ordnet und vermittelt. In heutige Arbeitssituationen übersetzt: Er rechnet Mengen aus, formuliert eine verständliche Nachricht und erklärt einen Ablauf. Bei Lilly steht dahinter zunächst die geistige Fähigkeit, eine Aufgabe zu begreifen und zu bearbeiten.

Venus bringt die Neigung hinzu: Was gefällt einem Menschen, womit beschäftigt er sich gern? Im Arbeitsalltag gehören dazu Geschmack und Zusammenarbeit. Sie prüft die Gestaltung und sucht eine Form, auf die sich mehrere Beteiligte verständigen können.

Mars liefert körperliches Durchhaltevermögen. Er packt an, hält eine Anstrengung aus und setzt etwas durch. Als heutiges Arbeitsmotiv umfasst das Leistung und die Entschlossenheit, vom Entwurf zur Ausführung zu kommen. Der schönste Plan wartet sonst lange auf seine Fertigstellung.

Rhetorius behandelte dieselbe Dreiergruppe früher

Schon das ältere Astrologische Kompendium des Rhetorius behandelt Merkur, Venus und Mars als Planeten der Tätigkeit. Die moderne Übersetzung enthält eigene Abschnitte über Tätigkeiten, die drei dafür maßgeblichen Gestirne und Gewerbe. Berufliche Arbeit erhielt also eine ausführliche astrologische Betrachtung.

Rhetorius gehört zur spätantiken, byzantinisch überlieferten Tradition. Lilly veröffentlichte seine Christian Astrology 1647 im frühneuzeitlichen England. Bei ihm finden sich ebenfalls eigene Abschnitte zu den drei Planeten und ihren Kombinationen.

Die gemeinsame Grundlage ist die Dreiergruppe; die beiden Autoren behalten ihre eigenen Verfahren. Lillys prägnante Zuordnung von Verstand, Neigung und körperlicher Ausdauer erklärt seinen Zugang. Sie lässt sich deshalb nicht einfach als wörtliche Kurzfassung von Rhetorius ausgeben.

Das Zeichen gibt der Fähigkeit eine Richtung

Nach der Bedeutung des Planeten folgt das Zeichen, in dem er steht. Es beschreibt genauer, auf welche Weise und in welchem Arbeitsumfeld eine Fähigkeit zum Einsatz kommt. Lilly bezog diesen Zusammenhang in seine Berufsdeutung ein.

Bei Rhetorius ist außerdem die Unterscheidung wichtig, ob ein Planet im eigenen Zeichen oder im Zeichen eines anderen Planeten steht. Dieser andere Planet heißt Zeichenherrscher: Ihm ist das betreffende Zeichen astrologisch zugeordnet. So führt die Betrachtung von einem Planeten zum nächsten.

Für die Lektüre Ihres eigenen Horoskops ergibt sich daraus eine nützliche Reihenfolge: erst die Fähigkeit benennen, dann ihre Ausprägung im Zeichen betrachten und anschließend dessen Herrscher hinzunehmen. Das ergibt einen genaueren Arbeitsstil als ein einzelnes Schlagwort neben einem Planetensymbol.

Stärke und Verbindungen gewichten das Bild

Lilly berücksichtigte auch die Würde, also die Stärke eines Planeten aufgrund seiner Stellung im Zeichen. Dazu kamen seine weitere Position im Horoskop und seine Verbindungen zu anderen Planeten. Diese Verbindungen heißen Aspekte.

Damit erhalten die drei Arbeitsmotive unterschiedliches Gewicht. Eine Fähigkeit kann deutlich hervortreten, während eine andere weniger trägt. Und wo Planeten verbunden sind, werden auch ihre Bedeutungen zusammen betrachtet: etwa geistige Bearbeitung und Geschmack oder Gestaltung und praktische Ausführung. Ein bloßes Abhaken aller drei Planeten würde diesen Schritt überspringen.

Ein Auftrag bringt alle drei an einen Tisch

Stellen Sie sich einen Menschen vor, der einen Gegenstand für einen Auftrag anfertigt. Zuerst berechnet er die benötigte Materialmenge und klärt die Maße: Merkur. Dann entwirft er die Form und stimmt sie mit dem Auftraggeber ab: Venus. Anschließend bearbeitet er das Material und bringt das Stück zu Ende: Mars.

Das ist eine heutige Illustration der Planetensymbolik. Sie macht anschaulich, weshalb mehrere Planeten bei derselben Arbeit mitreden. Bei Ihrem nächsten beruflichen Horoskopgespräch lohnt deshalb eine konkrete Nachfrage: Welche dieser Fähigkeiten trägt den Auftrag – und wie verbinden die Planeten Rechnen, Gestalten und Anpacken miteinander?

Quellen