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Wie das Horoskop zur Sternzeichenrubrik wurde

Ein Text über Prinzessin Margaret von 1930 und Zeitungsrubriken von 1935 und 1938 zeigen, wie aus einem Beitrag über eine Person ein Format für viele Leserinnen und Leser wurde.

Illustration einer aufgeschlagenen Zeitung im Stil der 1930er-Jahre: links eine Porträtsilhouette, rechts Rubriken mit kleinen Sonnenmotiven, ohne lesbaren Text.

Wer heute ein Zeitungshoroskop liest, sucht meist zuerst das eigene Sternzeichen. Der Abschnitt darunter ist nicht eigens für diese Person geschrieben: Er richtet sich an alle, die demselben Zeichen zugeordnet werden. Ein astrologischer Text kann aber auch von einem einzelnen Menschen handeln. Wie wurde aus solchen Texten eine Rubrik, in der viele Leserinnen und Leser ihren eigenen Abschnitt finden konnten?

Drei Belege aus den 1930er-Jahren machen den Unterschied anschaulich: ein Artikel über die neugeborene Prinzessin Margaret, ein späteres Exemplar des Sunday Express und regionale Zeitungsfunde von 1938. Sie zeigen verschiedene Formen astrologischer Zeitungstexte. Den Anfang aller Zeitungshoroskope markieren sie nicht.

1930: Ein Artikel über Prinzessin Margaret

Am 24. August 1930 veröffentlichte der britische Sunday Express einen astrologischen Text von R. H. Naylor über die neugeborene Prinzessin Margaret. Der Beitrag handelte von einer namentlich bekannten Person. Er war keine Rubrik, in der die Lesenden einen Abschnitt für sich selbst suchen konnten.

Das macht den Artikel zu einem aufschlussreichen Vergleichspunkt. Die Geburt einer Prinzessin bot der Zeitung einen konkreten Anlass und dem Text eine Hauptfigur. Bei der späteren Sternzeichenrubrik lag die Sache anders: Dort konnten Leserinnen und Leser anhand ihres Geburtsdatums herausfinden, welcher Abschnitt für sie gedacht war. Der Unterschied betrifft also nicht bloß die Länge oder den Platz auf der Seite. Er betrifft die Frage, wen der Text anspricht.

Ein Überblick des British Newspaper Archive hält fest, dass Naylor anschließend eine regelmäßige Kolumne erhielt. Damit ist eine Fortsetzung seiner Arbeit für die Zeitung belegt. Nicht belegt ist dadurch, dass der Artikel über Margaret der erste astrologische Zeitungstext überhaupt war. Ein gut dokumentierter Fall kann eine Entwicklung veranschaulichen, ohne ihren Ursprung festzulegen.

1935: Das Geburtsdatum wird zum Wegweiser

Ein weiterer Anhaltspunkt ist ein Exemplar des Sunday Express vom 15. Dezember 1935, das im Archivüberblick gezeigt wird. Der Überblick beschreibt, wie sich in Naylors Kolumne eine Gliederung nach Geburtsdatum und Sonnenzeichen durchsetzte. Damit änderte sich die Nutzung der Rubrik: Statt einen Text über eine bestimmte Person zu lesen, konnten Leserinnen und Leser nach dem Abschnitt für ihr Geburtsdatum suchen.

Mit dem Sonnenzeichen ist in der astrologischen Tradition das Zeichen gemeint, in dem die Sonne bei der Geburt steht. Für eine Zeitung lässt sich die Zuordnung über Datumsbereiche darstellen. So lässt sich der passende Abschnitt rasch finden; zugleich kann die Redaktion dieselbe Gliederung für weitere Ausgaben verwenden. Das eignet sich für eine regelmäßig erscheinende Rubrik, die viele Menschen erreichen soll, obwohl für jeden Abschnitt nur wenig Platz zur Verfügung steht.

Daraus folgt nicht, dass damals alle Zeitungen nach demselben Muster arbeiteten. Auch das gezeigte Exemplar von 1935 liefert keinen belastbaren Stichtag für die Einführung regelmäßiger Texte zu allen Sternzeichen. Es dokumentiert einen Stand der Entwicklung, nicht jeden Schritt davor. Klar erkennbar ist jedoch das Ordnungsprinzip: Das Geburtsdatum führt zu einem Text für eine Gruppe von Lesenden.

1938: Eine Rubrik mit benannten Sternzeichen

Archivierte Ausschnitte aus regionalen Zeitungen von 1938 zeigen die Rubrik „According to the Stars“. Die überlieferten Textstücke sind nach Geburtsdatumsbereichen und benannten Sternzeichen gegliedert. Wer die Rubrik nutzte, konnte also nach dem passenden Datumsbereich suchen und den zugehörigen Abschnitt lesen. Diese Art der Auswahl ist bis heute aus vielen Zeitungshoroskopen vertraut.

Die Ausschnitte sind hilfreich, weil sie eine solche Einteilung in einer konkreten Zeitungsrubrik sichtbar machen. Zugleich haben sie Grenzen. Ein Archivfund aus dem Jahr 1938 sagt nicht, wer die Gliederung als Erster verwendete. Und ein erhaltener Ausschnitt zeigt nicht unbedingt die ganze Seite oder sämtliche Abschnitte einer Ausgabe. Hinzu kommt, dass automatisch erfasste Archivtexte Fehler enthalten können. Für die Geschichte des Formats sind solche Funde Belege, aber keine lückenlose Chronik.

Nebeneinandergestellt zeigen die Beispiele von 1930, 1935 und 1938 vor allem einen Unterschied in der Ansprache: hier ein Artikel mit einer einzelnen Person als Thema, dort eine Rubrik, in der viele Lesende ihren eigenen Abschnitt finden sollen. Die Belege ergeben keine vollständige Abfolge aller Zwischenstufen. Ein genaues Datum, an dem das Horoskop nach Sternzeichen eingeführt wurde, lässt sich aus ihnen nicht ableiten.

Was meinen wir heute mit „Horoskop“?

Im Alltag kann das Wort Verschiedenes bezeichnen. Das Sternzeichenhoroskop in einer Zeitung oder im Netz ist ein kurzer Text für eine Lesergruppe. Die Zuordnung erfolgt gewöhnlich über das Sonnenzeichen. Persönliche Angaben außer dem Geburtsdatum spielen dabei keine Rolle. Gerade deshalb passt das Format in eine Rubrik, die regelmäßig erscheint und von vielen Menschen gelesen werden kann.

Ein persönliches Horoskop meint in der astrologischen Tradition dagegen eine Deutung für einen bestimmten Menschen und dessen Geburt. Neben der Sonne können dabei weitere Planetenstellungen und ihre Beziehungen berücksichtigt werden. Für Aszendent und Häuser ist eine verlässliche Geburtszeit nötig; ohne sie lassen sich diese Teile nicht bestimmen. Das ist etwas anderes als ein Absatz, den alle Menschen mit demselben Sonnenzeichen lesen.

Astrologie ist eine Deutungstradition, keine wissenschaftlich nachgewiesene Ursache menschlicher Ereignisse und keine verlässliche Vorhersagemethode. Für die Geschichte des Zeitungshoroskops ist hier vor allem die Form interessant: Die Rubrik nach Sternzeichen macht aus einer individuellen Zuordnung ein Angebot für ein breites Publikum. Die Zeitungsbeispiele zeigen, wie das in den 1930er-Jahren aussah – nicht, wer es erfunden hat.

Quellen